Elon Musk gründete vor ein paar Tagen ein neues Startup: Neuralink. Wenig ist bisher darüber bekannt und doch geht ein Aufschrei durch die Gründerszene. Was genau führt Musk im Schilde? Ihm geht es diesmal um nichts Geringeres als um eine schnittstellenfreie Verbindung zwischen dem menschlichen Gehirn und künstlicher Intelligenz. Ansätze davon sind heute bereits in der Medizintechnik im Einsatz und genau hier soll die neue Technologie auch stärker zum Tragen kommen. Erst in einem zweiten Schritt sollen dann auch Gedanken hochgeladen werden können.

Das Neueste aus dem Silicon Valley

Gedanken hochladen? Ja, Sie haben richtig gelesen! Was sich anhört wie Science Fiction, könnte doch praktisch sein, oder? Kalendereinträge und -erinnerungen nicht erst mühsam auf dem Smartphone oder der Apple-Watch lesen und sie dann umsetzen, sondern sofort im Gehirn ein virtuelles Glöckchen erklingen hören und unmittelbar handeln. Und dann erst die traumhaften Möglichkeiten der Erweiterung unserer individuellen Denkfähigkeiten und Kompetenzen. So könnte selbst das graue Mäuschen zum Nobelpreisträger werden.

Oder der Punkt Menschenführung. Wäre es nicht praktisch, das Programm unserer sozialen Ähnlichkeit einfach auf die Festplatte unserer Mitarbeiter zu überspielen? Wenn diese dann genauso tickten wie wir, würde das Kommunikation und Umgang um einiges erleichtern. Endlich hätten wir, dass diese wollen was sie sollen. Und das ganz ohne viel Zeit in das „lästige“ Thema Führung investieren zu müssen!

Scherz beiseite, ein solches Vorgehen wäre höchst manipulativ und ethisch problematisch. Wer träfe denn die Entscheidung über die zu installierenden Programme in den Köpfen von Mitarbeitern, Familienmitgliedern oder Bürgern? Die Reichsten, die Mächtigsten oder vielleicht doch besser die Weisesten?

Der State of the Art in der Führung

Besser also wir führen analog! Trotzdem sollten wir in unserem derzeitigen Führungsverhalten disruptiv sein. Warum? Weil Führung heutzutage bedauerlicherweise vielerorts noch so aussieht wie im beginnenden Industriezeitalter. Was war dort von Mitarbeitern gefragt? Pünktlich zu erscheinen, seinen Job zu machen, sich möglichst wenig mit seinen Kollegen auszutauschen und diszipliniert seine Aufgaben zu erfüllen. Und die Führung war genau hierauf ausgerichtet: Starre Vorgaben, autoritäres Gehabe, misstrauische Kontrolle, Androhung von Konsequenzen.

Sicherlich hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass es ohne emotionale Intelligenz nicht geht, dass der Mitarbeiter eingebunden werden will, dass Motivation eine erhebliche Rolle spielt. Dementsprechend haben viele Manager ihre emotionalen und kommunikativen Kompetenzen weiterentwickelt. Doch den innersten Kern ihrer Mitarbeiter erreichen sie dadurch nicht wirklich. Und sobald es hakt, verfallen sie dann in die Gewohnheiten der autoritären Führung aus dem Industriezeitalter, frei nach Gerhard Schröder und seinem „Basta!“

Führung disruptiv

Die Digitalisierung allerdings schreit nach einer neuen Führungskultur. Wo sich weltweit Communities von Gleichgesinnten binnen kürzester Zeit finden und zusammenschließen, neue Märkte jenseits traditioneller Absatzkanäle entstehen, die herkömmliche Geschäftsideen binnen kürzester Zeit zerstören, ist ein Umdenken notwendig. Wir selbst und unsere Mitarbeiter müssen anders, vernetzt und assoziativ denken, Grenzen sprengen und das Unmögliche in Betracht ziehen. Auf dass unser Geschäftsmodell aus den eigenen Reihen angegriffen und kannibalisiert wird, bevor es andere tun.

Genau dieses Denken muss die Führungskraft der Zukunft ermutigen und ermöglichen. Sie kann nicht mehr alle Lösungen selbst kennen. Vielmehr wird sie verantwortlich zeichnen für die Organisation des Prozesses, der zur Lösung führt. Exzellente Fragen zu stellen wird dabei zur Kernkompetenz Nummer eins. Und Demut zur wichtigsten Tugend, jenseits aller Hierarchien und Positionen. Vernetzung wird wichtiger sein als Reporting-Linien. Die Führungskraft der Zukunft ist Ermöglicher statt (Mikro-)Manager. Und die Kultur ihrer Organisation will geprägt statt vorgegeben sein: Wahrheit, Ehrlichkeit und vor allem Sinnhaftigkeit werden wichtiger als Sollerfüllung und Null-Fehler Kultur.

Ein inspirierendes Vorbild

Wie es gehen kann, zeigt Netflix: Sieben Grundsätze prägen dort die Kultur.

  • Nur tatsächlich gelebte Werte werden geschätzt.
  • Höchstleistungen und Exzellenz werden angestrebt.
  • Es herrscht Freiheit. Sie wird verantwortungsbewusst ausgeübt.
  • Kontext statt Kontrolle.
  • Teams und Funktionen werden zusammen gebracht, aber nicht gekoppelt.
  • Bezahlung am oberen Ende des Marktes.
  • Ständige Herausforderungen, um sich weiter zu entwickeln

Es ist für mich kein Wunder, dass so phantastische Serien dabei herauskommen, wie wir sie derzeit aus dem Hause Netflix bewundern dürfen. Und besser als die an Aldous Huxley und George Orwell erinnernde Vision von Elon Musk’s Neuralink zum Hochladen von Gedanken ist eine lebendige Führungskultur auf jeden Fall. Denn der Mensch will auch im 21. Jahrhundert ein freies Wesen bleiben!

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