Die Welt nach Corona

Das Corona-Virus verändert unseren Umgang miteinander. Wird soziale Intelligenz am Ende doch künstliche Intelligenz übertrumpfen? Unsere Gesellschaft sortiert sich neu. Umso wichtiger wird ein Leadership, das die großen menschlichen Fragen in den Mittelpunkt stellt.

Die Pandemie hat uns binnen zwei Wochen dazu gezwungen, unsere Vorstellung radikal anzupassen. Was bis gestern unvorstellbar schien, ist heute Realität geworden. Dem öffentlichen Leben ist der Stecker gezogen worden. Die Wirtschaft steht auf standby. Die meisten von uns sind zu Hause und müssen Home-Office, Versorgung der Kinder und Krisenmanagement unter einen Hut bringen… Große Entscheidungen werden gerade im Minutentakt gefällt und vielen von uns dämmert: Die Welt nach Corona wird eine andere sein. Denn die Zukunft biegt gerade im Moment in eine neue Richtung ab.

Die erste Reaktion des Menschen auf unvorhergesehene Ereignisse ist Angst. Die Corona-Pandemie scheint direkt aus einem Horrorfilm entsprungen. Ein archaisches Etwas lehrt uns das FĂĽrchten! Vermutlich ĂĽbertragen von Fledermausexkrementen auf Wildtiere, die auf einem Markt in Wuhan (China) frisch geschlachtet wurden, und von ihnen auf den Menschen. Was folgte, ist eine exponentielle Reise um die ganze Welt.

Machen wir uns klar, wir Menschen können exponentielles Wachstum nur schwer nachvollziehen. Ein kleines Beispiel: Mit 30 Schritten kommen wir 30 Meter weit. Mit 30 Schritten in Siebenmeilenstiefeln, wobei jeder Schritt uns die doppelte Anzahl an Schritten voranbringt als der vorherige, kommen wir 26-mal um die Welt!

Diese Pandemie verbreitet sich global und exponentiell. Die diffuse und unsichtbare Bedrohung bringt unsere Vorstellung einer scheinbar reibungslos funktionierenden Welt ins Wanken. In westlichen Industriegesellschaften leben wir davon, dass unsere Prozesse auf Kante genäht sind, dass Waren, Personen und Dienstleistungen schrankenlos unterwegs sein können und dass wir in Demokratien mit einer freiheitlich-liberalen Grundordnung leben. Diese Grundannahmen geraten gerade ins Wanken…

Niemand kann sagen, wie lange der Shut Down andauern wird. Plötzlich sollen wir zur Bekämpfung der Krise etwas tun, das wir in unserer schönen, bunten Vorkrisen-Welt schlicht und ergreifend nicht mehr gewohnt waren: Nämlich nichts tun! Diese verordnete und erzwungene Entschleunigung könnte uns schier in den Wahnsinn treiben! Wir sollen uns die Hände waschen anstatt etwas anzupacken? Wir sollen Sozialkontakte reduzieren, anstatt eine Taskforce zu gründen? Wir sollen unsere Mitarbeiter nach Hause schicken, anstatt sie zu managen? Wir selbst sollen runterfahren, mit Besonnenheit und Augenmaß reagieren, wo wir eigentlich agieren wollen?

Wer von uns rebelliert nicht innerlich dagegen? Doch Ängste lassen sich erfolgreich überwinden. Wir kennen das vom Besuch beim Zahnarzt. Die quälenden Minuten im Wartezimmer sind schlimmer als die eigentliche Behandlung selbst. Wir steigern uns so sehr in unsere Ängste hinein, dass sie uns schlimmer überwältigen als der Moment des Kontrollverlustes auf dem Zahnarztstuhl selbst. Ist die Prozedur erst einmal überstanden, wirkt die Welt wieder frisch und wir stecken voller Tatendrang.

Genauso kann auch diese Krise neue Möglichkeitsfenster eröffnen. Sie kann schaffen, was alle Leadership-Seminare, Achtsamkeits-Events, Digitalisierungs- und Disruptions-Summits und Mindfulness-Zirkusse des letzten Jahrzehnts nicht geschafft haben: Sie wirft uns auf uns selbst zurück, uns im stillen Kämmerlein mit uns selbst auseinander zu setzen. Uns dabei den großen Fragen zu widmen. Was können wir wissen, glauben und hoffen? Was ist der Mensch? Was sind wir füreinander?

Die Entscheidungen, die wir jetzt fällen, werden die zukünftige Welt bestimmen. Nicht nur die Entscheidungen im Gesundheitswesen, sondern sämtliche politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Entscheidungen.

Unterschiedliche Kulturen gehen mit der Corona-Epidemie unterschiedlich um. China baute auf totale Quarantäne und digitale Überwachung. Eine Reihe von Apps warnte die Bürger vor infizierten Mitmenschen. In Israel soll der Geheimdienst digitale Technologien zur Terrorabwehr zur Überwachung von Infizierten einsetzen. Die rechtlichen Grundlagen dafür wurden per Notfall-Dekret geschaffen. In Frankreich und Spanien wurde die Quarantäne in autoritärem Duktus verordnet und durch das Militär kontrolliert. Südkorea und Taiwan hingegen begegneten der Bedrohung mit intensivem Testen und zählten auf die Ehrlichkeit ihrer Bürger. Amerika fährt eine Abschottungs- und „America first“-Strategie. Die deutsche Kanzlerin setzt zunächst auf Einsicht, Eigenverantwortung und Freiwilligkeit.

Die Strategien im Umgang mit der Angst schwanken zwischen Überwachung und Empowerment, zwischen Druck und Freiwilligkeit, zwischen Isolation und Zusammenarbeit. Was das mit Leadership zu tun hat? Autorität, Überwachung, Isolation und Druck mögen kurzfristig erfolgreich sein. Sie hinterlassen jedoch nachhaltige Spuren, die verheerend sind. Ein Leadership-Mindset hingegen fußt auf einem positiven Menschenbild. Ehrlichkeit, Eigenverantwortung, Freiwilligkeit und Solidarität beruhen auf Vertrauen. Vertrauen entsteht nicht über Nacht, sondern gründet sich auf integrem Verhalten insbesondere der Leader über die Zeit. Vertrauen wird gestärkt in pluralistischen Gemeinschaften, deren Mitglieder sich gegenseitig tolerieren. Vertrauen erfährt Bestätigung in gemeinschaftlichem Handeln.

In Albert Camus großartiger Parabel Die Pest überleben diejenigen, die Solidarität und Menschlichkeit, Mitgefühl und Liebe verkörpern. Wir erleben gerade, dass soziale Intelligenz beim Umgang mit Krisen mindestens ebenso entscheidend ist wie künstliche Intelligenz, wahrscheinlich sogar entscheidender. Menschen sind bereit und fähig, sich persönlich für das Gemeinwohl einzuschränken. (Ein Algorithmus würde eine utilitaristische Entscheidung fällen…) Wir entwickeln plötzlich mehr Wertschätzung für die Dinge, die da sind, anstatt auf das zu gucken, was uns fehlt. Wir erkennen, dass wir nicht alles für selbstverständlich nehmen sollten. Wir lernen beim Nichtstun, dass wir innerlich loslassen können.

Schon jetzt entfaltet dieses Virus eine heilsame Wirkung auf alle Autokraten rund um die Welt. Den Politclowns, Fake-News-Predigern und Verschwörungstheoretikern dieser Welt begegnet die tödliche Realität demnächst direkt vor der eigenen Haustür. Es ist leicht, die Unwahrheit über solch abstrakte Phänomene wie den Klimawandel zu verbreiten. Wenn aber die eigene Familie, Freunde oder Nachbarn schwer erkranken oder gar sterben, lässt sich diese Realität nicht mehr mit einer Extraportion Fox News verleugnen! Es wäre ein Treppenwitz der Geschichte, wenn Donald Trump und mit ihm sämtliche Populisten um den Globus am Corona-Virus scheitern würden.

Es könnte sein, dass dieses Virus am Ende der Menschheit einen großen Dienst erweist… Die Natur weist uns Menschen in unsere Schranken zurück und lehrt uns Demut. Die Menschheit kann jetzt für alle zukünftige Krisen eine Entscheidung darüber fällen, ob wir in Zukunft Spaltung oder globale Solidarität wollen, ob wir unser Schicksal künstlicher oder unserer sozialen Intelligenz überlassen, ob wir Misstrauen säen oder Vertrauen stärken, indem wir mehr im gemeinsamen Belang denken und handeln. Diese Entscheidung liegt bei jedem Einzelnen von uns und vor allem alle Leader sind hierbei besonders gefragt!

P. S.: Kommen Sie gesund und gestärkt durch die Krise!

Bild c. Pixabay

Das Paradox vom Purpose

Siemens-Chef Joe Kaeser, Blackrock-CEO Larry Fink, Mercedes-Finanzchef Frank Lindenberg – kaum ein Leader, kaum ein Konzern, der derzeit nicht seinen Sinn (oder neudeutsch „purpose“) definieren möchte… Wie kommt es zur derzeitigen Renaissance des Sinnstiftens? Wie lässt sich Sinn im digitalen Zeitalter erlebbar machen? Und wie kann es Unternehmen gelingen, sich authentisch einem höheren Zweck zu verschreiben?

Die Zukunft schreit nach einer neuen Art der FĂĽhrung

Wir alle fühlen es intuitiv – die Zeiten von Hierarchie und Autorität, von Motivierung, Vorhersage und Kontrolle sind endgültig vorbei. Nach welcher Art von Führungskultur schreit die Digitalisierung? Was können Konzerne, Mittelständler und Start-ups voneinander lernen? Wie sieht das Leadership der Zukunft aus?

Warum Mindset…?

Wir leben heute in einer postmodernen, globalen und digitalen Welt. Weiterentwicklung vollzieht sich exponentiell und disruptive Technologien verändern stündlich unseren Alltag. Mindset ist die Kernkompetenz, um der Welt von morgen zu begegnen.

Welche Zukunft kommt nach der Digitalisierung?

Ein Plädoyer für die aktive Gestaltung des digitalen Wandels und seiner gesellschaftlichen Folgen

Eine neue Kultur hat in deutschen Unternehmen Einzug gefunden: Vielerorts lassen sich CEOs duzen, die Krawatte ist so gut wie verschwunden und die Kleiderordnung ist kreativ leger. Diese Lockerheit im Umgang miteinander ist erfreulich. Sie steht für eine neue Ära: Dank exponentieller technologischer Entwicklung und Globalisierung sind den Möglichkeiten, neue Produkte, Geschäftsmodelle und Märkte zu schaffen so gut wie keine Grenzen mehr gesetzt.

Die stille Revolution

Neulich fiel mir in einer Pariser Buchhandlung ein Comic mit dem Titel „Les entreprises libérées“ (Die befreiten Unternehmen) in die Hand. Neugierig fing ich an zu blättern und entdeckte, dass es in Frankreich eine Reihe von geschäftsführenden Gesellschaftern gibt, die ihr eigenes Unternehmen befreit haben. Plötzlich organisieren sich Teams autonom, Mitarbeiter legen ihr Gehalts- und Prämiensystem eigenständig fest und Initiative, Kreativität und Innovationen gedeihen. Wie ist das möglich?

Digital Mindset – frischer Wind in unseren Köpfen

Die Digitalisierung ist nicht nur eine technische, sondern vor allem eine kulturelle und mentale Herausforderung: Neues Denken und Handeln sind gefordert. Doch was heißt das für Unternehmen? Wie soll eine digital adäquate Mentalität aussehen? Wie müssen Menschen „ticken“, um die Zukunft zu meistern?

Freiheit in Verantwortung – auf Computerwoche.de

Freiheit ist im Zusammenhang mit neuen Formen der Führung derzeit in aller Munde. Dieter Zetsche z. B. wünscht sich, dass die Corporate Culture von Daimler viral werde. Worauf gilt es zu achten? Wie grenzenlos darf Freiheit in Unternehmen sein? Wie können Leader eine verantwortungsvoll ausgeübte Freiheit befördern?

Das Beste ist, wir verlassen uns auf unseren gesunden Menschenverstand. Wie das gehen kann und warum wirkliche Freiheit nur in Verantwortung möglich ist, lesen Sie in meinem aktuellen Beitrag auf Computerwoche.de: Digital Leadership: Freiheit in Verantwortung

Zuckerbrot und Peitsche ade!

Warum die Frage nach Motivierung kĂĽnftig ĂĽberflĂĽssig sein wird

Wer kennt das nicht? Mal läuft es besser mit der Mitarbeitermotivation, mal schlechter. Mal brennen die eigenen Leute für ein Projekt, die Sache oder das Unternehmen, mal haben wir den Eindruck, sie machten nur Dienst nach Vorschrift. Wie aber bekommen wir das ganze Engagement unserer Mitarbeiter und Kollegen? Wie kriegen wir es hin, dass die Menschen „wollen, was sie sollen“? Oder werden wir uns in Zukunft diese Fragen gar nicht mehr stellen müssen?

Digital Leadership – auf Computerwoche.de

Digitalisierung und digitale Transformation sind derzeit in aller Munde. Doch was braucht es neben politischen Rahmenbedingungen oder neuen Organisationsformen, um als Unternehmen den Herausforderungen zu begegnen?

Es kommt weniger auf äußere Faktoren, als vielmehr auf die Mentalität der Menschen an. Welcher Art von Führung es bedarf, um die Zukunft zu meistern? Lesen Sie dazu meinen aktuellen Artikel Computerwoche.de. Hier gehts zum Artikel: Digital Leadership: Digitalisierung verlang eine neue Art der Führung